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TSV „Elbe“ Aken seit 1862

Der Verein

Acht Abteilungen, eine Geschäftsstelle in der Fährstraße — und eine Geschichte, die 1862 beginnt.

Heute

Der TSV „Elbe“ Aken 1863 e.V. ist ein Breitensportverein. In acht Abteilungen trainieren Kinder ab drei Jahren, Jugendliche, Frauen und Männer — in den Turnhallen an der Burgstraße und der Köthener Straße, auf der Kegelbahn am Markt, im Haus der Vereine und im Berliner Hof.

Geführt wird der Verein von einem Präsidium, das die Mitgliederversammlung wählt. Vorsitzende ist Sigrid Reinicke. Die übrigen Mitglieder des Präsidiums: noch einzutragen.

Mitglied werden · Satzung · Kontakt

Wichtige Jahre

  • 1862Gründung des Männer-Turnvereins Aken „Frisch auf“ mit 50 Mitgliedern. Erster Vorsitzender ist der Lehrer Teitge.
  • 1863Weihe der ersten Vereinsfahne am 18. Oktober — das Jahr, das später irrtümlich in den Vereinsnamen gerät.
  • 1874Aus dem Verein heraus gründet sich die Freiwillige Turner-Feuerwehr.
  • 1913Der Fußballclub Hansa entsteht, 1921 folgt der Schwimmverein „Nixe“.
  • 1920erDer Arbeiter-Turnverein ist mit 480 Mitgliedern der größte Verein der Stadt. Geübt wird im „Berliner Hof“.
  • 1933Die Nationalsozialisten lösen „Frisch auf“ auf, beschlagnahmen das Vermögen und verbrennen die Vereinsfahnen.
  • 1983Sabine Winter gründet die Abteilung Popgymnastik, die heute Step-Aerobic trainiert.
  • 1990Neugründung als TSV „Elbe“ Aken — mit der Jahreszahl 1863 im Namen.

Aus der Geschichte des TSV „Elbe“

1862 bis 1938, zusammengetragen aus den Beständen des Akener Heimatmuseums.

Im 2. statistischen Jahrbuch der Turnvereine Deutschlands von 1865 ist verzeichnet, dass der „Männer-Turnverein Aken ‚Frisch auf‘“ am 22.6.1862 gegründet wurde. Der 1. Vorsitzende war der Lehrer Teitge. Der Verein zählte damals 50 Mitglieder.

Am 18. Oktober 1863 wurde die erste Fahne geweiht. Der Verein hatte eine Jahreseinnahme von 172 Talern, die Ausgaben betrugen 160 Taler. In Aken gab es damals 5500 Einwohner. 1873 wurde als Vorsitzender Heinrich Randel benannt. 1874 wurde die Freiwillige Turner Feuerwehr gegründet.

1880 wurde die Turnerbekleidung festgelegt: schwarze Hose und graue Bluse. Der Mitgliedsbeitrag betrug 25 Pfennig pro Monat. Geturnt wurde jeden Montag und Donnerstag. Als Beleuchtung diente ein kleines Öllämpchen. Als Turngeräte waren vorhanden: Reck, Barren, Pferd und Bock. In den folgenden Jahren ist vermerkt, dass der Verein viel Theater spielte (eigene Bühne), auch ein Trommler- und Pfeiferkorps war vorhanden. 1911 waren 115 Mitglieder gemeldet.

Aus dem Protokoll der Sitzung vom 10.8.1920 geht hervor, dass ein Turngerät (Pferd) verloren gegangen war, wahrscheinlich in den Kriegswirren. Am 18.1.1921 beschloss man, die Sache mit dem Pferd gerichtlich zu verfolgen. Am 15.9.1921 stand nochmals die Verschmelzung mit dem Turnverein Jahn auf der Tagesordnung. Die Abstimmung ergab, dass die Mehrheit dagegen war. Daraufhin legten einige Mitglieder das Amt nieder, darunter auch der langjährige Vorsitzende August Großkopf. Kamerad Hädicke wurde neuer Vorsitzender.

Die Mitglieder hatten ein Mitgliedsbuch, in das die Beitragsmarken (Aufschrift „TV Frisch auf“) geklebt wurden. Am 4.11.1921 erklärten sich zwei Turnbrüder bereit, ein neues Pferd anzuschaffen. 1922 spendete der Verein für ein Denkmal 150,00 Mark. Am 14.3.1931 wurde die neue Satzung des Vereins einstimmig beschlossen. Als 1. Vorsitzender ist Wilhelm Sonnenburg aufgeführt.

In den Jahren vor 1933 hatte „Frisch auf“ folgende Abteilungen: 1. Turnen: Männer, Frauen, Schüler und Gymnastikgruppen. 2. Wassersport: Schwimmen, Kanu und Segelsport. 3. Rasensport: Handball, Fußball, Leichtathletik. 4. Kultur: Musikzug, Mandolinengruppe, Laienspiel und Kunsttanzgruppe. Im Sommer 1921 gründete sich der Schwimmverein „Nixe“, der sich am 5.7.1924 mit dem Arbeiterturnverein zusammenschloss. In den Unterlagen des Museums befinden sich Hinweise auf eine Badeanstalt, die der Verein mit eigenen Mitteln erbaute. Im August 1913 gründete sich der Fußballclub Hansa; über den Zeitpunkt des Zusammenschlusses mit „Frisch auf“ liegen mir zurzeit keine Hinweise vor.

In seinen Erinnerungen von 1967 berichtet der Leiter des Akener Heimatmuseums Heinrich Minge (1888–1970), damals Ausschussvorsitzender für Jugendpflege beim Magistrat der Stadt Aken, dass in seinen Jugendjahren der Arbeiter-Turnverein der größte Verein der Stadt war und 480 Mitglieder hatte. Geübt wurde im „Berliner Hof“. Auf dem „Dreieck“ wurde sonntags Hand- und Fußball gespielt. Die Platzverhältnisse waren sehr schlecht, und die Sportler bemühten sich intensiv, einen geeigneten Platz zu finden. Der Fährplatz wurde vorgeschlagen und — wahrscheinlich 1923, dank der intensiven Bemühungen von Herrn Minge und mit Unterstützung des Bürgermeisters Dr. Pilling — auch durch das Wasserbauamt Magdeburg genehmigt.

Die Turner und Turnerinnen trugen bei den feierlichen Umzügen durch die Stadt weiße Sportkleidung mit einer roten Schärpe. Über die Zusammensetzung des Vorstandes schrieb er: „Jede Abteilung wählte sich einen Vorstand, die Vorsitzenden dieser Abteilungen waren auch Mitglieder des Hauptvorstandes. Dieser tagte jeden Monat. Der Hauptvorstand teilte sich in den geschäftsführenden und den technischen Ausschuss.“ Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses war der Vereinsvorsitzende, der Vorsitzende des technischen Ausschusses war der technische Leiter Heinrich Minge.

„Frisch auf“ wurde 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst, sein Vermögen beschlagnahmt, die Vereinsfahnen verbrannt. Im Museum befinden sich handgeschriebene Protokolle aus den Jahren 1935–1941. Der Verein heißt jetzt „Vereinte Turnerschaft Aken“, und statt eines Vereinsvorsitzenden gibt es jetzt einen Vereinsführer. Im Bericht der Jahreshauptversammlung vom 22.1.1937 ermahnte der Vorsitzende Heinrich Schoch alle zu mehr Mitarbeit: „Dem Bericht konnte man weiter entnehmen, wie abwechslungsreich sich das Leben des Vereins gestaltet und wie schwer es ist, sein Amt innerhalb des Vereines richtig zu verwalten“, notierte Protokollführer Kurt Homann gut lesbar. In einem undatierten Jahresbericht 1937 berichtet er: „Es gab manche harte Nuß zu knacken. Denken wir nur an die Sportplatzfrage … Überall machten sich große Mängel bemerkbar.“

Am 3.5.1937 informierte der Protokollant, dass 338 Mitglieder angemeldet sind, aber 80 haben keinen Beitrag gezahlt, sodass für diese zu viele Beiträge an den DRL abgeführt wurden. In allen vorliegenden Protokollen ist immer wieder die Rede von den Festen, die die Sportler feierten. Mottobälle — Motto des Maskenballs 1936: „Eine Nacht im Süden“ — waren wohl besonders beliebt. Aber auch Weihnachtsvergnügen und Geselligkeiten gab es häufig. Am 20.1.1938 hielt der Frauenturnwart seinen Jahresbericht: 1937 waren 161 Turnerinnen Mitglied. Nach 1938 sind die Protokolle für mich nicht mehr lesbar; einer der Gründe dafür: Der Schriftwart schrieb nicht mehr mit Füller, sondern mit Bleistift.

In der Zeit von 1941 bis 1945 habe ich keine Unterlagen im Museum gefunden. Als es 1990 zur Neugründung des Vereines kam und für die Namensgebung recherchiert wurde, kam es zu einem Irrtum: In den im Museum vorhandenen Statuten des Männer-Turn-Vereins wurde die Zahl 1863 genannt. Dieses Statut war aber nach 1945 — wahrscheinlich von einem Mitarbeiter des Museums — mit Schreibmaschine abgeschrieben worden. Ich gehe davon aus, dass dabei ein Tippfehler entstand. Alle mir zugänglichen Informationen bestätigen als Gründungsdatum 1862 (datierte Fotos von Jahresfeiern etc.).

NachbemerkungDer Verein trägt die Jahreszahl 1863 im Namen. Belegt ist als Gründungsdatum jedoch der 22. Juni 1862.

QuelleText: Sigrid Reinicke. Zuerst veröffentlicht im Vereinsblog am 5. August 2017.